Es ist Donnerstagabend, das 14. Treffen der Kölner Regionalgruppe von Xing. Die Community ist die aktivste Gruppe Deutschlands. Alle drei Monate kommen sie zusammen, um bei Prosecco und Kölsch ihre Karriere zu beleben. Es ist 18.30 Uhr, als Martin Müller die renovierungsbedürftige Holz-Tribüne der Pferderennbahn in Köln-Weidenpesch betritt. Rund 200 „First Timers“ warten in Block A auf den Chef der Regionalgruppe. Müller wird den Neulingen nun erklären, wie das so geht mit dem Netzwerken im realen Leben. Ein wichtiges Instrument sind die aufgestellten Stehtische, die den fliegenden Wechsel von Kontakt zu Kontakt ermöglichen. Die Müllerschen Grundregeln: „Sprechen Sie maximal 15 bis 20 Minuten mit einer Person. Nehmen sie so viele Visitenkarten wie möglich mit. Treffen sie die drei bis fünf interessantesten Personen später noch einmal ausführlich.“
Für viele ist es nicht nur das erste Xing-Regionaltreffen, sondern auch das erste Pferderennen. Der Anlass zieht, etwa 950 Besucher wollen den Reiz der Rennbahn erleben. Jeder Teilnehmer erhält gratis einen Wettschein, leicht verständlich auch für „First Timer“. Bei den acht Startern stehen weder Pferde-Name noch Rennbilanz, sondern nur der jeweilige Sponsor. Da tritt Germanwings gegen die Ford Werke an – und keiner weiß um die Qualitäten der Starter. So wird aus dem Expertentipp eine Tombola.
Martin Müller, 4329 Kontakte und Mitglied im elitären 1000-Contacts-Club, ist so etwas wie der DJ Motte der Kölner Gruppe. Wie bei der Loveparade begann damals alles mit 30 Leuten, im Juni 2004 in einem Biergarten. Heute treffen sich regelmäßig hunderte Xinger. Müller ist ein bemühter Gastgeber, er präsentiert eine personifizierte „Success-Story“ nach der anderen. Da ist Bernd Odendahl, elf Kontakte, 3D-Animationen. Er sagt: „Xing hat für mich schon interessante Kooperation hervorgebracht.“ Da ist Jochen Ewald, 3043 Kontakte, Franchise-Experte. Er sagt: „Ich habe meinen virtuellen Bekanntheitsgrad gesteigert und über die Fachgruppen einen Zugang zu tausenden Leuten aus meiner Branche.“ Und dann ist da noch Andreas Herfurth, 63 Kontakte, Consulting für Vertrieb und Logistik. Er sagt: „In den letzten drei Jahren habe ich über Xing fast 100.000 Euro an Aufträgen akquiriert.“
Auch Martin Müller selbst ist eine echte „Success-Story“. Der Mann mit dem runden Gesicht und den kurzen blonden Stoppelhaaren genießt bei Xing den ehrenwerten Rang des Ambassadors, das heißt er darf exklusive Events unter dem Label veranstalten. Über seine Xing-Kontakte hat er einen neuen Job gefunden, bald wird er das Kölner Team eines amerikanischen Kreditkartenunternehmens verstärken, das an diesem Abend auch als Sponsor auftritt, aber namentlich nicht erwähnt werden möchte.